KARTENLEGEN – LENORMAND

Die Kartenkunst der Mme Lenormand

Zu den bekanntesten und derzeit beliebtesten Wahrsagekarten gehören in erster Linie die Lenormandkarten, die es zu Lebzeiten ihrer berühmten französischen Namensgeberin, Marie Anne Adélaide Lenormand, allerdings noch gar nicht gab. Sie selbst benutzte für ihre Wahrsagekunst höchstwahrscheinlich die Karten von Jean François Alliette.

Mme Lenormand hat nie geheiratet, und somit lautete die korrekte Anrede eigentlich Mademoiselle Lenormand. Dass sie dennoch zu einer Madame wurde, zeugte vom Respekt und der Hochachtung, welche die Franzosen ihrer “Sibylle von Paris” entgegenbrachten.

Die kleine Mari Anne wurde in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren und am 27. Mai 1772 in Alencon, Normandie getauft. Ihre Eltern ließen sie von den Nonnen einer benediktinischen Klosterschule erziehen. Sehr zum Ärger der Klosterschwestern begann das musisch begabte Mädchen sich schon früh mit der alten Zigeunerkunst des Handlesens und der Wahrsagerei mittels Karten zu befassen. Sie kann höchstens zehn Jahre alt gewesen sein, als sie der Äbtissin des Klosters ihre baldige Absetzung voraussagte, die dann auch erfolgte. Marie Anne wurde daraufhin der Schule verwiesen.

Ihre Karriere begann 1793 in Paris. Sie eröffnete zusammen mit einer Bekannten das Bureau für Wahrsagerei. Reiche Bürger und Adelige gingen dort ein und aus, entsprechend hoch waren Mme Lenormands Einnahmen. Sie erstellte auch Horoskope, und für die weniger betuchten Pariser las sie aus dem Kaffeesatz.

Für die Deuteung eines Kartenbildes brauchte sie manchmal einen ganzen Tag. Ihre Profezeihungen waren von ungeheurer Treffsicherheit. Man sagt, dass auch die führenden Köpfe der französischen Revolution zu ihren Kunden zählten. Marat, Robbispierre und Saint-Just soll sie ihren gewaltsamen Tod vorausgesagt haben.

Mme Lenormand wurde mehrere Male wegen Spionage und Hochverrats und auch wegen Hexerei angeklagt. Ihre Gefängnisaufenthalte waren allerdings jeweils nur von kurzer Dauer und schadeten ihrem Ruhm in keiner Weise; im Gegenteil, ihre Anhänger setzten sich sehr für sie ein, und sie wurde immer bekannter und beliebter.

Selbst die französische Kaiserin Joséphine zog sie zu Rate, und auch der Kaiser von Russland, Alexander I., ließ sich von ihr die Karen legen.

Im Jahre 1830 zog sich Mme Lenormand als schwerreiche Frau aus der Öffentlichkeit zurück. Karten legte sie fortan nur noch im Freundeskreis. Eine infizierte Operationswunde wurde ihr zuletzt zum Verhängnis. Sie starb am 25.Juni 1843 in Paris.

Inzwischen gibt es eine Fülle gelungener Variationen der Mme Lenormand Wahrsagekarten.Hier einige, die von Kartenlegern besonders gern benutzt werden:

Die „Blaue Eule”

gilt als das Standartdeck. Es besteht aus den üblichen 36 Karten. Ihre Symbole sind klar und aussagekräftig. Die Skatkarte, die der jeweiligen Lenormandkarte entspricht, ist auf der Vorderseite mit aufgedruckt, sodass auch gewohnheitsmäßige SkatkartenlegerInnen sich gut orientieren können.

Die „Rote Eule” entspricht der Blauen Eule, allerdings finden sich anstelle der aufgedruckten Skatsymbole hier kleine Gedichtlein, die etwas über die Bedeutungen der Karten aussagen:

Beispiel: „Hauptperson und Zier ist die Dame hier, alles auf sie zählt, weil es ihr gefällt.” – gewiss eine nette Orientierungshilfe für den Lehrling der Kartenlegekunst!

Die „Weiße Eule”

Die Karten sind ebenfalls von der Symbolik her sehr klar. Ihre auffällig sanfte Farbgebung wird von vielen Karternlegern als sehr wohltuend erlebt, da sie die Intuition nicht im Außen festhält sondern sanft ins innere Erleben führt. So werden die Deutungen tiefer, hintergründiger.

Das „Piatnik-Lenormand”

erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit. Es ist insgesamt sehr ausgewogen gestaltet. Die Farben sind kräftig ohne knallig zu wirken, die Bilder wirken filigran und edel, dennoch lenkt ihr Detailreichtum nicht vom Thema der jeweiligen Karte ab.

Das „Antike Lenormand”

trägt einige schriftliche Anhaltspunkte zur Deutung gleich im Bild mit aufgedruckt.

Die Bildestaltung wirkt insgesamt zurückhaltend und mutet biedermeierlich an.. Das Interessante an diesem Deck sind die Zusatzkarten. Es gibt zwei Leerkarten, worauf sich der Kartenleger seiene eigene Antwort schreiben kann; und es gibt zusätzlich die Karten „Ja”, „Nein”, „Jetzt” und „Später”.

Das Deck enthält auch eine kleine Beschreibung darüber, wie die zusätzlichen Karten Anwendung finden.

Das „Mystisches Lenormand”

gibt es in Ausführungen unterschiedlicher Größen. Besonders hervorzuheben ist hier das

Lern-Deck. Die Karten sind sehr groß, sodass schnell der ganze Tisch bedeckt ist, legt man das große Blatt aus. Die Gestaltung ist eher neuzeitlich-esoterisch und wirkt wahrhaft mystisch.

Jede Karte enthält alle wichtigen Deutungsmöglichkeiten auf einen Blick. Man muss nicht erst ein Buch zur Hand nehmen, sondern kann direkt mit dem Kartenlegen beginnen.